Neu: Die Waldschule
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Highlights - Die Waldschule
Lebt denn der alte Holzmichel noch?

Den Namen Holzmichel haben Holzbildhauer Ingo Kallweit seine Enkelkinder verpasst. Wer von den dreien die Urheberrechte für sich beanspruchen kann, lässt sich nicht mehr zweifelsfrei ermitteln, aber einer sprach es aus: „Unser Opa ist der Holzmichel!“ Dies ist somit ein neuer Beweis dafür, dass die Frage aus dem alten Heimatlied mit einem Ja beantwortet werden kann.
Holzmichel - in dieser Rolle fühlt sich Bildhauer Kallweit durchaus wohl und in der Waldschule des Schweriner Zoos am richtigen Platze. Über seinen Spitznamen lächelt er. Über sein Alter kann sich jeder, der den Künstler in seinem Holzelement erlebt, ein eigenes Urteil bilden. Denn die Begeisterung springt über, wenn Ingo Kallweit vom Werkstoff Holz erzählt. Die Hände sprechen mit, als würde er das Gesagte anfassen wollen.
Holz ist nie tot, erklärt er - selbst wenn sein Lebenskreislauf durchtrennt ist(der Ast ist ab), hat das Stück die Eigenschaft des Lebens, Wasser anzuziehen und zu verdunsten, nicht verloren. Das Holz arbeitet, heißt es landläufig.
Holz muss man fühlen, ist Kallweits Überzeugung. Wenn er sich hundertmal nach umher liegendem Gehölz bückt und einmal ein Stück dabei ist, das ihn anspricht, haben sich die 99 vorigen Versuche gelohnt. Aber auch diese Ausbeute bringt der Familie bereits Platzprobleme. Schmunzelnd erzählt er, dass seine Frau mit Hinweis auf den nahenden Frühling bittet, doch die Rosen einmal frei zuräumen.
 
Die Waldschule des Schweriner Zoos hat Sohn Nando Kallweit mit seiner Firma und der Unterstützung seines Vaters selbst entworfen und gebaut. Hier ist alles Handarbeit und jedes Detail liebevoll geplant und ausgeführt. Ganz aus Holz und auf Säulen errichtet, passt sich das Haus dem hügeligen Gelände zwanglos an.
„Ich verneige mich vor dem Baum“. Wenn Ingo Kallweit diesen Satz so selbstverständlich sagt, hält man erst einmal inne. Solche Bekenntnisse hört man nicht jeden Tag. Ist es dieses Lebensgefühl, das wir in unserem hektischen Alltag so vermissen, oder warum stockt dabei fast der Atem. Der Bildhauer hat tausend Belege für die Glaubwürdigkeit seiner Aussage. Diese Geschichten erzählt er selbst im Flamingo, dem Zoojournal.
Die Geschichten, die das Leben selbst für Holzbildhauer Ingo Kallweit geschrieben hat, lassen die Vermutung zu, dass er doch irgendwie zu den Glückskindern gehört.
 
Maschinenbau hatte er studiert und später Prozessrechnen programmiert und eingesetzt.
Sein Talent zum Schnitzen entdeckte er, als er seiner Frau nur mal schnell eine haltbare Haarspange schnitzen wollte. Daraus ist inzwischen ein künstlerisches Lebenswerk geworden.
Sehr schön gedreht, sagt Ingo Kallweit zu einem Ast, den er gleich an der Eingangstür der Waldschule postiert hat - manchmal spielt die Natur eben verrückt. Auf der gegenüberliegenden Seite des Eingangs steht ein Familienstück: Sohn Nando hat seinem Vater zum sechzigsten Geburtstag ein würdiges Geschenk überreicht – Ingo Kallweit umringt von seinen Enkeln auf einem Holzblock. Alles aus einem Baumstamm geschnitzt.
 
Zu seinen Wurzeln hat der Künstler eine enge Beziehung, obwohl er erst vier Wochen alt war, als seine Eltern diese Heimat hinter sich ließen. Im Memelland ist er geboren, sagt er. Memelland – das klingt nach Sagenwelt. Heute liegt sein Geburtsort in Littauen. Es kann gut sein, dass die Naturverbundenheit der östlichen Vorfahren in seiner Seele mitschwingt, zieht der Bildhauer in Betracht. Lange schon hat Ingo Kallweit den Kontakt zu den dortigen Menschen hergestellt. Seine Zuneigung zu den Bewohnern seines Geburtsortes will er passend zu seinem so frühen Wegzug, mit einem sehr persönlichen Geschenk zum Ausdruck bringen – einem selbst gefertigten Taufbecken.

Ursula Eggert
 
 
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