Die bedrohte
Vielfalt der Arten

Der Zoo und der Artenschutz

Die Haltung von Wildtieren in Zoos hat eine lange Tradition. Ursprünglich standen vor allem die Haltung und Präsentation exotischer Tierarten im Mittelpunkt. Heute haben sich moderne Zoos grundlegend weiterentwickelt. Sie verstehen sich als Zentren des Natur- und Artenschutzes und übernehmen Verantwortung für den Erhalt der biologischen Vielfalt.

Dabei geht es um weit mehr als die Haltung bedrohter Tierarten. Zoos begeistern ihre Besucherinnen und Besucher für die Vielfalt des Lebens auf unserer Erde, vermitteln Wissen über die Ursachen des Artensterbens und zeigen auf, wie das eigene Handeln mit dem Zustand unserer Natur zusammenhängt. Sie schaffen Verständnis für ökologische Zusammenhänge und möchten Menschen dazu ermutigen, selbst einen Beitrag zum Schutz der biologischen Vielfalt zu leisten.

Genauso wichtig ist die Erkenntnis, dass kein Zoo allein wirksamen Artenschutz betreiben kann. Der Erhalt bedrohter Arten gelingt nur durch die enge Zusammenarbeit vieler Partner. Deshalb arbeiten Zoos weltweit in regionalen, nationalen und internationalen Netzwerken zusammen. Gemeinsam koordinieren sie Erhaltungszuchtprogramme, unterstützen Freilandprojekte, fördern wissenschaftliche Forschung und arbeiten eng mit Naturschutzorganisationen, Behörden und wissenschaftlichen Einrichtungen zusammen.

Erst dieses Zusammenspiel aus moderner Tierhaltung, Bildungsarbeit, Forschungsinitiativen, internationaler Zusammenarbeit und Natur- und Artenschutzmaßnahmen im natürlichen Verbreitungsgebiet einzelner Arten macht moderne Zoos zu einem wichtigen Baustein des globalen Artenschutzes.

Es gibt unterschiedliche Formen von Zuchtprogrammen zum Erhalt der Arten, ebenso wie wichtige Institutionen und Organisationen im gemeinsamen Bestreben gegen das Aussterben von Arten. Der Gefährdungsstatus von Arten zeigt sich in den Kategorien der Roten Liste.

Die Rote Liste – ein wichtiges Instrument für moderne Zoos

Die Rote Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) bewertet den Gefährdungsstatus von Tier- und Pflanzenarten weltweit und zählt zu den wichtigsten Werkzeugen des modernen Artenschutzes. Sie zeigt auf, welche Arten besonders stark bedroht sind und wo dringender Handlungsbedarf besteht.

Auch für Zoos liefert die Rote Liste eine wichtige Orientierung bei der strategischen Entwicklung ihres Tierbestandes. Sie hilft dabei, begrenzte Ressourcen wie Platz, Personal und finanzielle Mittel gezielt dort einzusetzen, wo Zoos einen möglichst großen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt leisten können.

Die Gefährdung einer Art ist dabei ein wichtiges, jedoch nicht das einzige Entscheidungskriterium. Nicht jede Tierart leistet denselben Beitrag zum Artenschutz – und das muss sie auch nicht. Während einige Arten im Mittelpunkt international koordinierter Erhaltungszuchtprogramme stehen, tragen andere insbesondere zur Umweltbildung, zum Aufbau fachlicher Kompetenzen, zur Forschung oder zur Unterstützung von Artenschutzmaßnahmen im natürlichen Lebensraum bei.

Die wissenschaftlich koordinierte Erhaltungszucht ist eines der wichtigsten Werkzeuge moderner Zoos – sie ist jedoch nicht das einzige. Erst das Zusammenspiel verschiedener Instrumente und die gezielte Auswahl geeigneter Tierarten ermöglichen einen wirksamen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt. Welche Rolle eine Tierart innerhalb dieses internationalen Artenschutzsystems übernimmt, wird von den Fachgremien der europäischen Zoogemeinschaft im Rahmen langfristiger Bestands- und Entwicklungsplanungen bewertet und gemeinsam festgelegt.

 

Was bedeuten die Kategorien der Roten Liste?

ausgestorben (EX):Von dieser Art gibt es weltweit kein lebendes Individuum mehr (bspw. Quagga).
in der Natur ausgestorben (EW):Von dieser Art gibt es lediglich Individuen in menschlicher Obhut (bspw. Zoos) oder in eingebürgerten Populationen außerhalb des natürlichen Verbreitungsgebietes (bspw. Säbelantilope).
vom Aussterben bedroht (CR):Diese Art ist in unmittelbarer Zukunft akut vom Aussterben bedroht (bspw. Balistar).
stark gefährdet (EN):Diese Art ist stark im Bestand zurückgegangen und weist ein sehr hohes Aussterberisiko auf (bspw. Katta).
gefährdet (VU):Diese Art ist bereits deutlich bedroht und könnte ohne geeignete Schutzmaßnahmen weiter zurückgehen (bspw. Großer Ameisenbär).
potenziell gefährdet (NT):Diese Art gilt derzeit noch nicht als bedroht, zeigt aber im natürlichen Verbreitungsgebiet bereits Entwicklungen, die Anlass zur Sorge geben (bspw. Streifenhyäne).
nicht gefährdet (LC):Die Beurteilung dieser Art führte nicht zur Einstufung in die Kategorien vom Aussterben bedroht, stark gefährdet, gefährdet oder potenziell gefährdet (bspw. Östliches Graues Riesenkänguru).
ungenügende Datengrundlage (DD):Die vorhandenen Informationen reichen nicht für eine Beurteilung des Aussterberisikos dieser Art aus, jedoch könnte die Gefährdung einer der vorherigen Kategorien entsprechen.
nicht beurteilt (NE):Es wurde bislang keine Beurteilung dieser Art durchgeführt.

170.000

Tier- & Pflanzenarten sind derzeit in der Roten Liste erfasst und bewertet

4898 Arten

sind akut vom Aussterben bedroht (CR). Es herrscht unbedingter Handlungsbedarf!

Die Kategorien der Roten Liste